Gerhard Matzig: Einfach nur dagegen

Einfach nur dagegen von Gerhard MatzigEinfach nur dagegen

Deutschland heute: das ist ein Land, das sich satt anfühlt und alt und verdrossen. Ein Land, das auf dem besten Weg ist, seine Zukunft zu verspielen. Und die seiner Kinder dazu. Wo und wann immer es darum geht, Lösungen zu suchen für die gewaltigen Herausforderungen der Zukunft, schlagen gegenwärtig Wogen erregter Ablehnung in der Öffentlichkeit hoch. Ob es das Bahnprojekt „Stuttgart 21“ betrifft oder die Elbphilharmonie in Hamburg; ob den Ausbau von Straßen, Flughäfen, Tunnels und S-Bahnen oder die Errichtung von Wasserkraftwerken, Solarstromanlagen oder Windrädern – Protest, Bedenken, Besserwisserei und manchmal auch eine gute Portion Hysterie bestimmen das geistige Klima unserer Republik.

Gerhard Matzig ergründet in seinem neuen Buch „Einfach nur dagegen“, warum den Deutschen die Zukunftslust vergangen ist und warum die Bereitschaft, mit Mut, Begeisterung und Zuversicht an die Lösung drängender Probleme zu gehen, einer zaudernden Kehrtwende in eine vermeintlich bessere Vergangenheit gewichen ist. Gerhard Matzig porträtiert eine neobiedermeierlich gestimmte, über-alterte Gesellschaft, in der Angst, Missmut und Besitzstandsdenken regieren. Eine technikfeindliche Gesellschaft, die Werte wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz anscheinend nur im Rückwärtsgang glaubt umsetzen zu können. Eine Gesellschaft, in der „Wutbürger“ zum „Wort des Jahres“ wurde und das „Empört-Euch-Syndrom“ in Gestalt von Bürgerinitiativen zahllose Infrastruktur-Projekte zum Stillstand bringt.

Einfach dagegen zu sein, ist aber keine Lösung. Und es ist gefährlich, wie Gerhard Matzig warnt, weil wir den Kindern die Zukunft verbauen, wenn wir drängende Probleme einfach aussitzen. Als Antwort entwirft er Szenarien einer neuen Moderne in Politik, Wirtschaft und Technik, die optimistisch gestimmt nach Lösungen sucht. Nicht in Form eines unbedingten Fortschrittsglaubens, sondern als großen einigenden Willen, die Zukunft aktiv und erfindungsreich zu gestalten.

Am 9. November 2013 diskutierte Gerhard Matzig über „Spielräume des Alltags“ im forum:autoren beim Literaturfest München.

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