Darauf einen Tschatascha!

10. Oktober 2018 | By | Add a Comment

Die am heutigen 10. Oktober eröffnete Frankfurter Buchmesse markiert den Beginn des literarischen Herbstes 2018. Unwiderruflich – doch das Schöne ist: Damit rückt das Literaturfest München näher.

Auch Frankfurts diesjähriges Buchmesse-Gastland Georgien wird bei uns vertreten sein. Warum sich das nicht allein auf die Literatur des zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer eingebetteten Staates bezieht, was dessen berühmter Tschatscha damit zu tun hat und wie eine Bergwanderung zur Schnapsidee werden kann, lest Ihr in diesem Artikel.

Dass sich so mancher Romancier, manche Lyrikerin gerne von Hochprozentigem inspirieren lassen, ist bekannt. Fragt sich nur, ob sie stets den richtigen Tropfen genießen, um ihre schöpferischen Sinne zu stimulieren. „Viele Künstler würden wohl sagen, dass jegliche Form von Alkohol hilft“, sagt Christoph Keller. „Aber Destillate von Ginkgo-Samen, Moxa-Kraut, Fenchel, Wermut, Lorbeerkirsche, Honeybush oder Tonka, die überdies bestimmte toxische Merkmale aufweisen, wirken natürlich auf ihre ganz eigene Weise besonders!“ Keller kennt sich aus: Mit der von ihm 2004 übernommenen Traditionsbrennerei Stählemühle stieg der Verleger und Buchgestalter binnen Kurzem zum vielfach ausgezeichneten Schnapsbrenner auf.

#schnapsidee

Bela Chekurishvili ist hochprozentig aufgewachsen: Der Großvater verabreichte schon der Fünfjährigen schlückchenweise Rotwein, den er für das beste Heilmittel hielt. „Wir hatten einen alten kupfernen Destillierapparat, mit dem meine Familie 60-prozentigen Tschatscha brannte“, erzählt die georgische Lyrikerin. Sie fürchtete sich davor, weil die Frauen sagten, dass der Tschatscha ihres Großvaters die Kehle wie ein Messer durchschneide. Ihre Angst hielt an, bis ihr Freund sie als Studentin in den eiskalten Bergen des Großen Kaukasus zu dem harten, vermeintlich messerscharfen Getränk nötigte: „Wenn du den Tschatscha verweigerst, wirst du krank, und wir müssten wegen dir umkehren, drohte er“, erzählt Chekurishvili. „Doch das werden wir nicht tun, sondern dich stattdessen in den Abgrund werfen. Also sei freundlich, für dich ist es doch egal, durch welches ,Messer‘ du stirbst.“ So traf Chekurishvilis erste Schnapserfahrung mit ihrer bislanggrößten Schnapsidee zusammen: eine Bergwanderung mit einem Profiteam, das sich, so Chekurishvili, „schon damals intensiv mit dem Alpinismus beschäftigte und mit mir eine ,leichte Expedition‘ in 3600 Meter Höhe unternahm“.

 

 

Was das mit dem Literaturfest München zu tun hat? Bela Chekurishvili, die mittlerweile in Deutschland lebt, liest bei der Dritten europäischen Lyriknacht ihre Gedichte auf Georgisch, in denen oftmals Wein vorkommt – und Doppelkorn, der die Einsamkeit vertreiben soll. Mit Nino Haratischwili ist eine wichtige jüngere deutsche literarische Stimme zu Gast, die in Die Katze und der General in ein Georgien führt, in dem der Tschatscha allgegenwärtig ist. Und wenn es Euch nach ebendiesem gelüstet, seid Ihr bei uns ebenfalls gut aufgehoben. Tschatscha sei ein relativ einfacher, ungekünstelter Trester- oder Traubenbrand, durchaus vergleichbar mit hiesigen oder einem italienischen Grappa, erklärt Christoph Keller. „Insofern machen wir auch Tschatscha, nur dass er Trester heißt. Und: Man muss vielleicht nicht ganz so viel davon trinken wie in Georgien!“

#schnapsbar

Maßvolle Gelegenheiten dazu gibt es während des forum:autoren im Schönen Babel in der Schnapsbar im Luitpoldblock: Bei den allabendlichen Séancen mit Substanzen vom 16. bis 22. November treten Alkohol und Literatur in einen geistreichen Dialog. Übrigens genehmigt sich Bela Chekurishvili mittlerweile am liebsten eisgekühlten Limoncello. Er erinnert sie an die Kultur und Küche Italiens: „Und um kreativ zu sein, brauche ich genau dieses Gefühl von italienischem Dolce Vita!“ Was der Experte Christoph Keller davon hält, wissen wir nicht. Doch zum Glück lässt sich über Geschmack nicht streiten …

(Text: Tina Rausch; Fotos: C. Keller ©Mike Meyer Photography; B. Chekurishvili ©Dirk Skiba; N. Haratischwili ©Danny Merz)

Sharing is caring <3

Gespeichert unter: forum:autoren, litmuc18, Schönes Babel

Kommentar

Trackback URL | RSS Feed for This Entry