Symposion! Viel zu langweilig?

9. November 2017 | By | Add a Comment

Schon mal von Pecha Kucha gehört? Der Begriff kommt aus dem Japanischen und beschreibt die Geräusche vieler wild durcheinanderredender Menschen. Vor allem aber ist es die Bezeichnung für eine besondere Präsentationsform, die ausufernden Vorträgen und Powerpoint-Marathons den Kampf ansagt – was das mit dem Literaturfest zu tun hat?

Youtube: A PechaKucha about PechaKucha

20 Bilder à 20 Sekunden: Das ist die Vorgabe bei Pecha Kucha – wenn man strikt nach der in Tokio entwickelten Präsentationsform geht. Wer von Doris Dörrie dazu eingeladen wird, wählt im Vorfeld zehn passende Bilder aus und bekommt dafür je 40 Sekunden. Die Zeit auf dem Podium bleibt damit gleich: In exakt sechs Minuten und 40 Sekunden dürfen die Vortragenden ihr Thema anhand der Abbildungen darlegen. Und da die nächste Folie automatisch erscheint, gibt es kaum eine Möglichkeit, den eigenen Vortrag auszudehnen …

Japanisches Stimmengewirr beim forum:autoren?

Wie das live funktioniert, erleben wir auf dem zweitägigen Symposion des forum:autoren: Lüge und Fiktion heißt es am Samstag, den 18. November ab 13 Uhr. Mit Cordt Schnibben und Kai Strittmatter stellen sich zuerst zwei erfahrene Journalisten der Herausforderung Pecha Kucha: Der ehemalige Spiegel-Reporter Schnibben präsentiert die von ihm mitbegründete virtuelle Reporterfabrik, und der SZ-Korrespondent Strittmatter beschreibt, wie sich China sukzessive in einen fiktionalen Staat verwandelt. Der Amerikanistik-Professor Michael Butter enthüllt (vielleicht) das Mysterium von Verschwörungstheorien, und der Kulturtheoretiker Klaus Theweleit zeigt einmal mehr, wie Geschichte zurechtgebogen wird.

Youtube: Michael Butter über Verschwörungstheorien im dbate-Skype-Talk

Pecha Kucha bedeutet so viel wie Stimmengewirr. In der Pause kommt daher auch jeder, der mag, selbst zu Wort – und im anschließenden Podiumsgespräch bezieht die Moderatorin Maike Albath vorher notierte Publikumsfragen mit ein.

Runde 2: Lüge in Erinnerung

Das zweite Symposion Lüge in Erinnerung am Sonntag, den 19. November folgt dem gleichen Aufbau: Der bekannte Hirnforscher Martin Korte zeigt mittels Pecha Kucha, wie wir Erinnerung immer wieder neu konstruieren, die Buddhistin Beate Genko Stolte stellt die Konzeption unseres Ichs infrage, die Philosophin Monika Betzler nimmt das Selbstbild und die Selbsttäuschung des Menschen in den Blick, und der Biologe Werner Siefers veranschaulicht den Erzählinstinkt des Menschen. Die Abschlussrunde moderiert der SZ-Wissenschaftsredakteur Werner Bartens.

Zum Hauptgang: Büchner-Preisträger und psychologische Lehren

Und falls Sie nach all den Pecha-Kucha-Häppchen gerne doch noch etwas Längeres zum Thema goutieren möchten, haben Sie auch dazu an beiden Tagen Gelegenheit: Am Samstag um 17 Uhr erfahren Sie von F. C. Delius bei Lüge und Fiktion,  ob Angela Merkel eine Romanfigur werden kann, und am Sonntag spricht die Schweizer Psychologin Verena Kast unter dem Motto Es war einmal … über Märchen, Mythen und das Potenzial des Fremden für die eigene Entwicklung. Ob das erste Mal Pecha Kucha ausprobieren auch darunterfällt?

(Tina Rausch, Literaturfest Redaktion)

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