Wenn Worte auf Klänge treffen

7. November 2017 | By | Add a Comment

„Eine Liebeserklärung“ nannte Günter Grass Grimms Wörter im Untertitel. 2010 erschienen, war es das vorletzte Buch des vor zweieinhalb Jahren verstorbenen Schriftstellers – und sein Besuch auf der Münchner Bücherschau zählte 2014 zu seinen letzten großen Auftritten. Dieses Jahr ist er wieder mit dabei – in Gedanken, Worten und Klängen: Die musikalische Performance Grimms Wörter von Nora Gomringer und Günter Baby Sommer ist eine Liebeserklärung an den unvergleichlichen Wortkünstler. In diesem Blogbeitrag erfahrt ihr, wie sich Literatur und Musik beim diesjährigen Literaturfest begegnen und wo Letztere klar im Zentrum steht.

Sounds like Grass? Nora Gomringer und Günter Baby Sommer

30 Jahre lang begleitete Günter Baby Sommer den Literaturnobelpreisträger Günter Grass musikalisch – und auch für Grimms Wörter planten die beiden ein Bühnenprogramm. Nun lässt Sommer Grass‘ fabelhaftes Werk mit Nora Gomringer erklingen: „Von A wie Anfang bis Z wie Zettelkram“ zelebrieren sie ein Fest der Sprache, Wörter und Rhythmen. Live-Musik von einem bedeutenden zeitgenössischen europäischen Free-Jazzer und dazu eine der besten deutschsprachigen Rezitatorinnen und Lyrikerinnen: Diese Performance im Carl-Orff-Saal zählt zu den Highlights der 58. Münchner Bücherschau!

Foto unten: Gomringer/Sommer © Judith Kinitz

Gomringer/Sommer © Judith Kinitz

Festivaltreff mit Livemusik: unser Panoptikum

Live-Musik gibt es auch im Literaturaus: In der Festivalbar im Panoptikum steht mal die Verbindung von Literatur und Musik im Fokus, und mal regiert allein der Klang. So performt Tobias Bamborschke mit Gitarrist Max Bauer Songs ihrer Band Isolation Berlin und ergänzt das Bühnenprogramm mit Gedichten aus seinem literarischen Debüt Mir platzt der Kotzkragen. Falls dieser Titel Sie jetzt etwas abschrecken sollte: Ja, Bamborschke ist ein Misanthrop vor dem Herrn – doch in so bewegende Lyrics wie er hat schon lange keiner mehr seinen Weltschmerz gepackt. Hört selbst – ein etwas anderer »Reisebericht« von Bamborschke:


Deutlich munterer geht es bei La Triviata zu: Deutschlands einziges Impro-Opern-Ensemble kommt ohne Text oder zuvor eingeübter Musik und knöpft sich Doris Dörries Motto Alles Echt. Alles Fiktion vor: Die Musiker_innen komponieren, dichten, singen und spielen simultan Arien, Duette und Chöre und kreieren so einen einzigartigen literarisch-musikalischen Abend.Die Pollyester-Frontfrau Polly Lapkovskaja und die Filmemacherin und Autorin Jovana Reisinger entwickeln fürs forum:autoren die musikalisch-filmische Performance Friends forever und der Journalist/Autor Dmitrij Kapitelman, genannt Dima, präsentiert nach seiner Lesung mit Aya Cissoko zum Thema Weißt du noch? als HipHopper Dheema seinen Querulantenkram.

Zudem stellte das Kulturhaus Bahnwärter Thiel & Minna Thiel rund um Daniel Hahn auf Einladung des Literaturhauses ein Musikprogramm zusammen: Kerstin Dietrich und Andrés Schwarzerschweben als Duo Caedée mit Chansonettes, Bossa-Nova-Klängen und Jazzflair Durch Raum und Zeit. Sax Quattro bringt das Panoptikum bei A night in Tunisia mit südamerikanischer Musik und Jazzklassikern in Schwingungen, und das unterbau Jazz Ensemble tritt auf seinem Broadway in die Fußstapfen namhafter Vorbilder und kreiert doch einen ganz eigenen modernen Sound.

Auch der im Panoptikum stets für Mutige bereitstehende Steinway-Flügel hat einen großen Auftritt: Unter dem Motto Play Steinway improvisieren die Literaturstudierenden Jakob Süskind und Seydou Cisse ihre Lieblingsklassikstücke.

 

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