Podcasts auf dem Literaturfest: Doku oder Dichtung?

1. November 2017 | By | Add a Comment

„Nur durch Unterdrückung der Lügenpresse kann der wahren Presse aufgeholfen werden“, stand anno 1835 in der Wiener Zeitung. Richtig gelesen: vor beinahe 200 Jahren. Das verrät Knut Cordsen in dem Video-Podcast – auch Vodcast genannt – Sozusagen!, der im BR-Kulturkanal Capriccio läuft und aktuelle Sprachphänomene originell, hintersinnig und stets der Wahrheit verpflichtet aufs Korn nimmt. Wahrheit oder Lüge – Doku oder Dichtung: Diese Frage umkreist beim forum:autoren auch ein Podium über Podcasts. Die in Amerika längst etablierte Kunstform ist hierzulande noch recht unbekannt. Das wird sich bald ändern: In diesem Blogbeitrag berichten wir, wie sich das Literaturfest München 2017 mit dem dokumentarischen seriellen Erzählen beschäftigt.

Vodcast Sozusagen mit Knut Cordsen

Fake News, Hate Speech, Mainstream oder Millennials: Während es im Deutschen von Anglizismen wimmelt, kommt es umgekehrt eher selten vor. kindergarden und german angst sind die bekanntesten Exporte – und die von den Trump-Anhängern gekaperte lugenpresse das unrühmlichste jüngste Beispiel. Knut Cordsen schlägt in Sozusagen! eine neue Bezeichnung für diese Gruppe vor: Trumpel [trΛmpl]. „Poplinguistik“ nennt der BR-Literaturkritiker in Anlehnung an Hans-Magnus Enzensberger das Format, in dem er die Sprache auf populäre Weise durchleuchtet – wahlweise im Radio oder, gemeinsam mit Capriccio-Autorin Elena Álvarez, als Video-Podcast.

 

Den Podcast hat Cordsen bislang noch nicht zerlegt. Das Kofferwort ist eine Kreuzung aus iPod und dem englischen Broadcast (Sendung, Radio) und bezeichnet Radioformate, die man zum späteren Anhören abonnieren kann. „Es gibt viele Genres und Spielarten“, sagt Till Ottlitz aus der BR-Feature-Redaktion, „doch in Deutschland dominiert noch die Urform – der sogenannte Laberpodcast, bei dem sich zwei oder mehrere Menschen ohne Originaltöne oder Soundeffekte einfach unterhalten.“ In Amerika und England hat sich hingegen eine eigene Kunstform etabliert: Storytelling-Podcasts, deren bekannteste Beispiele This American Life, Serial und Radiolab heißen.

Der Bayerische Rundfunk schreit nach Podcasts

Mit dem 2016 initiierten Wettbewerb Call for Podcast treibt der Bayerische Rundfunk die Entwicklung hierzulande voran: Eine 51-köpfige Crowd-Jury ermittelte aus 601 Einsendungen drei Gewinner, deren erste Staffeln produziert werden und demnächst auf Bayern 2 zu hören sind: Ein Mann für Mama von Magdalena Bienert läuft im Notizbuch, Fakecast. Nichts als die Wahrheit von Ralf Bücheler und Lea Hampel im Medienmagazin und Was bisher geschah von Reinhard Röde wird von der Feature-Redaktion umgesetzt. Diese sowie sieben Pilotfolgen weiterer Teilnehmer_innen können Sie sich hier anhören.

„Call for Podcast war eine große Lernerfahrung“, erzählt Till Ottlitz. „Beim Radio sind wir es gewohnt, Inhalte und Formate auf ihren Sendeplatz und die Zeit abzustimmen. Podcasts können unabhängig davon produziert werden.“ Angesichts der veränderten Hörbedürfnisse der mobilen Gesellschaftplant die Feature-Redaktion weitere serielle Erzählformate, die im Radio und als Podcast funktionieren. Ende des Jahres soll zudem das neue Podcast-Center des BR online gehen, und es wird eine ARD-Audio-App geben, die die Podcasts aller angeschlossenen Rundfunkanstalten versammelt. „So kann man auch mal ganz Neues entdecken“, sagt Till Ottlitz, „zum Beispiel als bergsteigender Bayer Mare Radio, eine Koproduktion von Radio Bremen und dem Mareverlag.“

Podcasts und das forum:autoren

Und auch beim forum:autoren können Sie Podcasts entdecken: Bei dem Podium über Audio-Storytelling diskutiert Till Ottlitz mit Expert_innen wie Tim Kehl von Audible, Alexa Waschkau vom skeptischen Podcast aus Hamburg Hoaxilla und dem (Podcast-)Autor Philip Meinhold. Dazu ist Magdalena Bienert mit Ein Mann für Mama zu Gast sowie die Puls-Reporterin Anna Bühler mit ihrer der Doku-Serie Einfach machen. Und falls Sie am Freitag, den 17. November keine Zeit haben: Podcasts lassen sich ja zum Glück nachhören – und die aller Gäste dieses Abends am besten während des Literaturfests an den Hörstationen im Festivaltreff Panoptikum!

©Bayerischer Rundfunk / Lisa Hinder

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