Film und Literatur: Die Sprache der Filme

27. Oktober 2017 | By | Add a Comment

Film und Literatur werden beim diesjährigen forum:autoren miteinander korrespondieren. Wie lassen sich Filme lesen? Veranstaltungen und Workshops zu dieser Frage findet ihr im Programm des diesjährigen Literaturfestes – ein paar ausgewählte Schmankerl stellen wir mit diesem Blogbeitrag vor.

Electroboy zum Themenabend Verloren, mein ich

Wie viele Karrieren passen in ein Leben? Bei Florian Burkhardt lassen sie sich kaum an einer Hand abzählen – der Schweizer erfindet sich seit seiner Jugend immer wieder neu. Zu sehen ist das in dem Dokumentarfilm Electroboy, der im Programm Filme lesen beim forum:autoren läuft. Florian Burkhardt selbst ist bei der Vorführung in der HFF zu Gast sowie bei der Literaturfest-Eröffnung. Seit Neustem ist er nämlich auch Autor: Sein Memoir entspricht genau wie der Film Doris Dörries Motto Alles Echt. Alles Fiktion.

Florian Burkhardt fuhr professionell Snowboard und gründete ein Snowboard-Magazin; er versuchte sich als Hollywoodstar und reüssierte stattdessen als Fotomodell. Dann studierte er Multimedia-Design, wurde ein Schweizer Internetpionier und schmiss unter dem Namen Electroboy riesige Partys. Zwischendurch ließ er sich in die Psychiatrie einweisen – die verkürzte Diagnose: „Generalisierte Angststörung bei narzisstischer Persönlichkeitsstruktur.“

Der preisgekrönte Dokumentarfilm Electroboy über das unwahrscheinliche Leben des Florian Burkhardt läuft beim Themenabend Verloren, mein Ich. Er ist einer von sechs Filmen, die Maya Reichert vom DOK.fest München passend zu Doris Dörries Motto Alles Echt. Alles Fiktion auswählte. „Die Wirklichkeit, die wir im Jetzt erleben, wird in jedem Medium zu einer erzählten Wirklichkeit“, sagt Maya Reichert. „Das gilt für den Film wie für die Literatur, aber eben auch dort, wo man es nicht erwartet: beim Dokumentarfilm.“

In Electroboy von Marcel Gisler lässt sich das eindrücklich nachvollziehen – vor allem, wenn eine Expertin Hinweise und Sehhilfen gibt: Nach der Vorführung spricht Maya Reichert mit Florian Burkhardt über den Film, die Dreharbeiten und dessen reale Auswirkungen. So ist es wohl kein Zufall, dass Burkhardt auf die Aufarbeitung seiner Vergangenheit vor der Kamera den Roman Das Kind meiner Mutter folgen ließ …

Filme lesen, über Filme sprechen

„Die Filmsprache verwendet ähnlich wie die Literatur Syntax und Grammatik“, sagt Maya Reichert. „Doch anders als ein Buch beansprucht das Laufbild zusammen mit dem Ton fast alle Sinne für sich.“ Um während des Zusehens tieferliegende Mechanismen wahrzunehmen, bedarf es da besonderer Fertigkeiten – die sich erlernen lassen.

Beim forum:autoren haben Sie mehrere Möglichkeiten dazu: Entweder besuchen Sie die Filmvorführungen an der Hochschule für Fernsehen und Film München mit den anschließenden Gesprächen zwischen Maya Reichert und weiteren Expert_innen wie den Münchner Filmemachern Alexander AdolphAlexander Riedel, der Protagonistin Suli Kurban, dem Festivalleiter Daniel Sponsel und dem Comicbuch-Preisträger 2016 Uli Oesterle. Einen Überblick übers Programm finden Sie hier.

Workshop: Filme lesen lernen

Oder Sie melden sich schon jetzt zu Maya Reicherts Workshop Filme lesen lernen am Sonntag, den 19. November im Literaturhaus an. Anhand des kurzen preisgekrönten Dokumentarfilms Anne fliegt lernen die Teilnehmer_innen, künstlerische Regie-Entscheidungen nicht nur zu erkennen und zu benennen, sondern auch nach der dahinterliegenden Absicht zu fragen.

Grüße aus Fukushima: Masterclass mit Doris Dörrie

Die dritte Möglichkeit ist die Masterclass mit Doris Dörrie: Ebenfalls am Sonntag, den 19. November werden an der HFF nachmittags Erleuchtung garantiert, Kirschblüten – Hanami und Grüße aus Fukushima gezeigt. Flucht- und Zielpunkt ihrer drei sich an der Schnittstelle zwischen Doku und Fiktion bewegenden Filme ist Dörries ewiges Sehnsuchtsland Japan. Wie in diese drei Erzählungen die Realität einfloss? Das erörtern Doris Dörrie und Maya Reichert im Werkstattgespräch.

(Tina Rausch, Literaturfest Redaktion)

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