Das Literaturfest 2016 zieht Bilanz

19. Januar 2017 | By | Add a Comment

Mit einer furiosen Independent-Party zum Abschluss des Markts der unabhängigen Verlage im Literaturhaus München sowie mit einer bewegenden Lesung des Erfolgsautors Alex Capus im Münchner Gasteig ging am Abend des 27. Novembers das 7. Literaturfest München zu Ende. Vom 10. bis zum 27. November 2016 traten rund 100 Autorinnen und Autoren sowie Künstlerinnen und Künstler an verschiedenen Orten in München auf, darunter Swetlana Alexijewitsch und Herta Müller, Justin Cronin, Carolin Emcke, Mathias Énard, Cornelia Funke, Dominik Graf, Philip Kerr, Sibylle Lewitscharoff, Petros Markaris, Eva Mattes, Hanns-Josef Ortheil und Christoph Ransmayr, Elmar Theveßen sowie Ingo Zamperoni. Szenische und musikalische Lesungen, Diskussionen, Symposien, Konzerte und Ausstellungen standen auf dem Programm, zudem Schullesungen sowie tägliche Mitmach-Aktionen für Kinder und Jugendliche.

Zu den Veranstaltungen der 57. Münchner Bücherschau, des Festprogramms des Literaturhauses München, des Kuratorenprogramms forum:autoren, zum Geschwister-Scholl-Preis und zum Fernsehpreis LiteraVision kamen insgesamt rund 20.000 Besucher – darunter die Rekordzahl von 7.000 Gästen beim Kinder- und Schulklassenprogramm der Münchner Bücherschau. Die große Buchausstellung im Gasteig zog zudem rund 160.000 Interessierte an.

Die diesjährige Kuratorin Elke Schmitter betrachtete beim forum:autoren Sprachwelten aus vielen Perspektiven: Gemäß ihrem Motto ein wort gibt das andere ging es um Sprache und Poesie unter Bedingungen politischer Repression, um die Muttersprache als Heimat des Erlebens wie auch als Zankapfel der Integration, um künstliche Sprachen als progressive Idee – und um den Zauber der Stimme, die spricht und singt.

Die 57. Münchner Bücherschau zeigte über 20.000 Neuerscheinungen, begleitet durch Auftritte prominenter Autorinnen und Autoren. Die Themen Flucht, Vertreibung und Exil standen im Zentrum des von Thomas Kraft entworfenen Programms. Zahlreiche Lesungen, Spiel- und Mitmachaktionen bot zudem das von Edith Offermann kuratierte Kinder- und Familienprogramm.

Unter dem Titel Die Welt erzählen präsentierte das Literaturhaus München in seinem Festprogramm Geschichten, die in anderen, nahen wie fernen Ländern spielen.

Für ihr Buch „Codename Caesar. Im Herzen der syrischen Todesmaschinerie“ wurde die Journalistin Garance Le Caisne mit dem 37. Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet. In der Jury-Begründung heißt es: „Das Buch ‚Codename Caesar‘ erzählt die Geschichte eines syrischen Militärfotografen, eben jenes anonymen Caesar, der Zehntausende Fotos von den Ermordeten aus den Kerkern des Assad-Regimes kopiert und außer Landes geschmuggelt hat. (…) Das Buch ist Zeugnis eines überragenden, mehr noch: seines sich selbst kaum bewussten Mutes ebenso wie eine Dokumentation der bürokratischen Obsession eines verbrecherischen Regimes. Denn während die Terroristen des so genannten Islamischen Staates mit demonstrativer Öffentlichkeit morden, verbirgt das Assad-Regime seine Taten. Der Geschwister-Scholl-Preis zeichnet Werke aus, die ‚dem verantwortlichen Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse geben‘. ‚Codename Caesar‘ tut dies auf überragende Weise, unter höchstem persönlichem Risiko und mit möglicherweise völkerrechtlichen Konsequenzen für die Täter.“

Der städtische Fernsehpreis LiteraVision ging in der Kategorie Kurzbeiträge an Benjamin Unger, NDR, für den Beitrag im Nordmagazin: „Peter Wawerzinek: Der Schluckspecht“. „In 3 Minuten und 11 Sekunden gelingt es ihm, nicht nur das Buch des Autors Peter Wawerzinek vorzustellen. Mit Witz und Entschlossenheit zur radikal-ironischen Inszenierung zeigt er das Schicksal eines heillosen, heiligen Trinkers“, heißt es in der Begründung der Jury. In der Kategorie Langbeiträge ging der Fernsehpreis LiteraVision an Anita Hugi, SRF, für „Undine Gruenter: Das Projekt der Liebe“. „Der Film begeistert uns durch seinen persönlichen Ansatz, jede Einstellung ist präzise, zieht uns in ein komplexes Sprach- und Lebensuniversum (…) In diesem Film stimmt alles, verbindet sich zu einem unvergesslichen Fluss von Bildern, Tönen, Worten und Klängen. Ein Film, der ein Projekt der Liebe ist“, so die Jury.

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