Literarische Geister

14. November 2016 | By | Add a Comment

Ihr Mann war der mit Abstand bestbezahlte Kurzgeschichtenautor Amerikas, ihr kam die Rolle der „erratischen Muse“ zu: Francis Scott und Zelda Fitzgerald gelten bis heute als das Glamourpaar der Roaring Twenties. Dass Zelda ebenfalls schrieb, ist hinlänglich bekannt, dass viele ihrer Kurzgeschichten gegen ihren Willen unter Scotts – oder allenfalls unter ihren beiden Namen – erschienen, kam erst später ans Licht. Himbeeren mit Sahne mit Ritz versammelt elf Storys, in deren Zentrum meist selbstbewusste Frauen stehen. „Im Stillen erwartete sie Großes vom Leben, und zweifellos war das einer der Gründe, warum das Leben ihr Großes gewährte“, heißt es über eine von ihnen. Knapp 70 Jahre nach ihrem Tod lernen wir Zelda Fitzgerald als große Kurzgeschichtenautorin kennen: Nach einer Einführung von Angelika Schedel vom Manesse Verlag liest am Donnerstag, den 24. November die großartige Bibiana Beglau einige der Storys.

Als die junge Zelda Scott im Jahre 1918 kennenlernte, war Jack London bereits zwei Jahre tot. Gerade einmal vierzig Jahre wurde der amerikanische Journalist und Autor, dessen internationaler Ruhm insbesondere dank seiner legendären Abenteuerromane Wolfsblut, Der Ruf der Wildnis oder Der Seewolf ungebrochen ist. Anlässlich seines 100. Todestags treffen sich zwei seiner bekanntesten Fans: Am Mittwoch, den 23. November sprechen der Schriftsteller Martin Walser und der Literaturkritiker Denis Scheck im Carl-Orff-Saal des Gasteigs über (neue) Bücher von und über Jack London.

Ross Thomas ist vornehmlich Krimifans bekannt. Ein Missverständnis, meinte schon der Münchner Autor Jörg Fauser: „Ein Roman von Ross Thomas ist nicht einfach ein Krimi oder ein Polit-Thriller, sondern eine diabolische Analyse unserer politischen Verhältnisse.“ Das bestätigte jüngst Deutschlandradio Kultur, denen zufolge der fragwürdige „Polit-Shooting-Star“ Donald Trump wie einem Ross-Thomas-Buch entsprungen scheint. Sie kennen den 1926 in Oklahoma City geborenen und 1995 gestorbenen Reporter und Autor nicht? Beim Themenabend am Samstag, den 26. November im Gasteig haben Sie die Gelegenheit: Der Filmregisseur Dominik Graf und Alexander Wewerka vom Alexander Verlag sprechen mit Moderator Thomas Kraft über Ross Thomas, und der Schauspieler Robert Dölle liest Auszüge aus Porkchoppers.

2013 war er höchstpersönlich beim forum:autoren zu Gast – nun bleibt uns die Erinnerung an Henning Mankell, der vor einem Jahr starb. Und natürlich sein Werk! Am Dienstag, den 15. November Abend spricht Kristina Maidt-Zinke mit Susanne Mayer von der Zeit und Horst Köhler über den großen schwedischen Romancier und engagierten Zeitgenossen, dazu liest Ulrich Pleitgen Passagen aus dessen letzten großen Roman Die schwedischen Gummistiefel.

„Das neue It-Girl der englischen Literatur heißt Jane Gardam und ist fast neunzig“, schrieb Susanne Mayer auf Zeit online. Ein Jammer, dass es Gardams Bücher erst jetzt auf Deutsch gibt. Ein untadeliger Mann erschien bereits 2004 in Großbritannien – mit lediglich 76 Jahren hätte sich die Lady vielleicht noch eine Lesereise zugetraut … Nach Eine treue Frau liegt nun auch der letzte Teil der herrlichen britischen Trilogie um eine lebenslange Dreiecksbeziehung vor. Wer könnte besser darüber sprechen als Gardams Übersetzerin Isabel Bogdan? Zu erleben ist dies am Sonntag, den 20. November im Gasteig, wo zudem Stefan Hunstein aus Letzte Freunde liest.

Meine geniale Freundin heißt der Roman, über den die Literatur-Welt seit Monaten spricht. Er ist der Auftakt einer Tetralogie, die erst im Heimatland der unter dem Pseudonym Elena Ferrante schreibenden italienischen Autorin für Aufsehen sorgte und dann ausgelöst durch hymnische Kritiken in den USA seinen internationalen Siegeszug antrat. Die jüngst als Urheberin identifizierte Übersetzerin Anita Raja äußert sich dazu nicht öffentlich. So bleibt es dabei: Am Dienstag, den 22. November leiht Eva Mattes Elena Ferrante ihre Stimme, und der Literaturwissenschaftler Tobias Döring und die Literaturkritikerin Maike Albath sprechen über die Bedeutung der Autorschaft für ein Werk. Ihren Standpunkt erläuterte Maike Albath bereits in der Süddeutschen Zeitung unter dem Motto „Warum die italienische Schriftstellerin ein Recht auf Anonymität hat“.

Tina Rausch, Literaturfest Redaktion

Sharing is caring <3

Gespeichert unter: Allgemein

Kommentar

Trackback URL | RSS Feed for This Entry