Vom Einsammeln der Sprachen

12. November 2016 | By | 1 Comment

Seit hundert Jahren beschäftigt sich die SOAS University of London mit den verschiedenen Sprachen, Kulturen und Gesellschaften in Afrika, Asien und im Nahen Osten. Mandana Seyfeddinipur leitet das SOAS World Languages Institute an der Universität. Ihr Forschungsinteresse liegt auf dem Sprachgebrauch, den kognitiven Grundlagen und den visuellen Aspekten von Sprache, besonders im Hinblick auf manuelle Gesten. Zudem verantwortet sie mit dem Endangered Languages Documentation Programme (ELDP) ein Dokumentationsprogramm für bedrohte Sprachen. Vor zwei Jahren kam das Endangered Languages Archive (ELAR) hinzu, ein digitales Archiv, in dem Audio- und Videoaufnahmen aller weltweit bedrohten Sprachen gespeichert werden, bevor es endgültig zu spät ist. Am Samstag, den 12. November hält Mandana Seyfeddinipur beim Symposium Lasst uns über Sprache reden … den Eröffnungsvortrag. Ihr mit Videos unterlegter Beitrag handelt von den Folgen von Globalisierung für sprachliche Diversität, dem Dokumentieren verschwindender Sprachen, von ihren Sprechern und dem Wettlauf mit der Zeit.

10899e8e-4400-4107-af2d-91f35bda6129-1Ohne Seyfeddinipurs Einsatz und die enge Zusammenarbeit wäre das filmische Kunstprojekt Last Whispers kaum denkbar: Ein Großteil der hier zu einer faszinierenden Klanglandschaft verwobenen Sprachen entstammt dem ELAR. Für dieses außergewöhnliche Projekt besann sich die Fotografin und Initiatorin Lena Herzog auf ihre Ursprünge als Linguistin und Philosophin: Sie sammelte O-Töne in Form von Lyrics, Geschichten und Gesängen verschiedener untergegangener Sprachen und arrangierte diese mit den Komponisten Marco Capalbo und Mark Mangini zu einem magischen, vielstimmigen Chor. Herzogs Anliegen ist es, uns mit den verheerenden Entwicklungen zu konfrontieren: „Kaum jemand von uns hört überhaupt noch das Echo dieser entschwindenden Sprachen. Wir möchten, dass die ganze Welt sie vernimmt und den Verlust spürt.“

Haralampi G. Oroschakoff (Foto: Diana von Hohenthal)

Haralampi G. Oroschakoff (Foto: Diana von Hohenthal)

Für Lena Herzog und ihre Last Whispers gibt es nur diese eine Chance auf dem Literaturfest München. Dafür gibt es an beiden Tagen des kommenden Wochenendes die Gelegenheit, sich mit Haralampi G. Oroschakoff über seine Installation Erdrandsiedler auszutauschen: Am Samstag, den 12. November um 15.30 Uhr und am Sonntag, den 13. November um 14.30 Uhr erläutert der Künstler die von ihm anlässlich des zweitägigen Symposions Lasst uns über Sprache reden … in der Bibliothek des Literaturhauses eingerichtete Arbeit. Erdrandsiedler zeigt anhand von Objekten und Bildern verschiedene Völker und Kulturen, die zwischen Russischer Föderation und Osmanischem Reich angesiedelt sind.

„Diese sozio-kulturelle Spurensuche habe ich bereits vor 20 Jahren als Work-in-progress-Sammlung anzulegen begonnen“, sagt Oroschakoff, „und dabei den Blick des westlichen Reisenden Ende des 19. Jahrhunderts eingenommen.“ Das Archivieren und Vergleichen ost-westlicher Welten zieht sich wie ein roter Faden durch Oroschakoffs Gesamtwerk – und nicht zuletzt durch sein Leben: Der österreichische Künstler entstammt einer alten russischen Familie. Er wuchs in Wien und Cannes auf, verbrachte einige Jahren in München und lebt heute in Berlin, Wien und an der Côte d‘Azur. Wir haben also durchaus die Wahl, in welcher Sprache wir mit Haralampi G. Oroschakoff reden…

Last Whispers
Wie traumverloren dieses Oratorium für verschwundene Sprachen, einstürzende Sternenwelten und einen fallenden Baum klingt, ahnt, wer die Trailer auf der Website anklickt: www.lastwhispers.org. Nach der Uraufführung im British Museum in London diesen Oktober präsentiert Lena Herzog persönlich die deutsche Preview beim forum:autoren. Am Sonntag, den 13. November ist Last Whispers um 11 Uhr in einer exklusiven Matinee im Museum Fünf Kontinente zu sehen und vor allem: zu hören.

Tina Rausch, Literaturfest Redaktion

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Comments (1)

  1. Great common sense here. Wish I’d thguoht of that.

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