München macht mit

15. Oktober 2015 | By | Add a Comment

Das Wort Refugium stammt aus dem Lateinischen und steht für Schutz, Zufluchtsort, Unterschlupf. „In diesem Sinne unterstützt Refugio München Menschen, die wegen politischer Verfolgung, Folter oder kriegerischer Konflikte ihr Heimatland verlassen mussten und in Deutschland im Exil leben“, erklärt Anni Kammerlander. „Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Flüchtlingskindern: Sie erleben Gewalt und Flucht intensiver und bedrohlicher als Erwachsene.“ Als Sozialpädagogin begann sie 1990 bei der Initiative für Flüchtlinge, aus der 1994 Refugio München entstand. Heute arbeiten für das Beratungs- und Behandlungszentrum 45 Angestellte, 150 Honorarkräfte und über 120 ehrenamtliche Helfer_innen. Das Angebot reicht von Psychotherapie, Sozialberatung, ärztlicher Diagnostik, Begutachtung für Flüchtlinge und Folteropfer, kunst- und spieltherapeutische Hilfen für Kinder bis zu (Mentoren-)Programmen. „Letztlich ist es sehr befriedigend, für Refugio gearbeitet zu haben!“, sagte die Mitbegründerin, als sie 2012 nach 18 Jahren in den Ruhestand ging. Aufgehört hat sie indes nicht: Heute ist sie als ehrenamtlicher Vorstand tätig. Über ihre Erfahrungen mit Geflüchteten spricht Anni Kammerlander am Samstag, den 21. November beim Symposion front:text:kontext unter dem Titel Praxis: Wie gehen wir die Probleme konkret an?.

Zum Beispiel mit einer „Gorilla“-Aktion: Unter dem Slogan „Hier renovieren wir für die Stadt München“ sanierte die Gruppe Goldgrund im März 2013 auf eigene Kosten eine Wohnung in einem angeblich unrenovierbaren städtischen Haus in der Müllerstraße 6. Mit dieser Aktion verhinderteGoldgrund den geplanten Abriss des Gebäudekomplexes Müllerstraße 2-4. Die Initiatoren, zu denen Lustspielhaus-Betreiber Till Hoffmann und Alex Rühle, Autor bei der Süddeutschen Zeitung,gehören, mobilisierten viele bekannte Münchner: Im Renovierungsvideo sind unter anderem Mehmet Scholl, die Sportfreunde Stiller, Moop Mama, Luise Kinseher und sogar Dieter Hildebrandt zu sehen.

Doch Goldgrund wollte mehr. Aus dem Wunsch, das städtische Ensemble sinnvoll zu nutzen, entstand im Sommer 2014 das Aktionsbündnis Bellevue di Monaco: „Unser gemeinsamer Vorschlag ist, mit einem Zentrum für Unterbringung und Kulturarbeit das Thema Flucht und Migration von den Stadträndern ins Herz der Stadt zurückzubringen“, erklärt die Initiative. „Wir glauben, dass nur durch echte Begegnung echtes Verständnis, Toleranz und Respekt entstehen können.“ Geplant sind Wohnungen, Kulturräume und ein Infocafé, in dem Flüchtlinge Beratung und konkrete Lebenshilfe erhalten. Mittlerweile firmiert Bellevue di Monaco als Sozialgenossenschaft. Wer dieser beitreten möchte, findet alle Informationen hier. Aufsichtsratsmitglied Alex Rühle moderiert beim forum:autoren zwei Veranstaltungen: Am Donnerstag, den 19. November spricht er mit Karim Miské über Literatur, Banlieues und Politik, und am Dienstag, den 24. November durchleuchtet er mit Jenny Erpenbeck und das Shumona Sinha europäische Asylsystem.

Goldgrund hat in der Müllerstraße nicht nur Häuser gerettet, sondern auch einen Bolzplatz. Auf diesem trainiert jeden Montag der „Street Football Worker“ Abdullah Biyik den FC Lollo von buntkicktgut. Die Idee zur interkulturellen Straßenfußball-Liga München entstand 1997 aus der Betreuungsarbeit von Kindern und Jugendlichen in Flüchtlings- und Asylbewerberunterkünften. Heute ist buntkicktgut ein europaweit einzigartiges Beispiel des organisierten Straßenfußballs. „Aktuell nutzen allein in München wöchentlich über 2000 Jugendliche unsere Angebote wie kontinuierlichen Ligabetrieb, Stadt- und Flüchtlingstrainings“, sagt Mitinitiator und Leiter Rüdiger Heid. Und es ist keine reine Jungensache: „In den U11- und U13-Teams sind 10 bis 15 Prozent Mädchen“, so Heid, „und ab 15 Jahren haben wir eine eigene Ladys-Liga“. Am Sonntag, den 22. November lädt Albert Ostermaier zum Internationalen Freundschaftsspiel bei front:text. Es treffen sich Münchner Prominente, Ex-Profis und eine Auswahl von buntkicktgut. Der Eintritt kommt buntkicktgut zugute. Ob wohl eine Frau auf dem Platz ist?

(Tina Rausch, Literaturfest Redaktion)

buntkicktgut

(Foto ©buntkicktgut)

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