Mehr als ein leuchtend oranges Möbel

5. Oktober 2015 | By | Add a Comment

Auf dem Literaturfest werden Münchens Leserinnen und Leser zu Hörerinnen und Hörern: In über 80 Veranstaltungen präsentieren Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus aller Welt ihre aktuellen Werke, geben Auskunft über sich und ihr Schreiben. Die zentralen Orte sind das Literaturhaus München mit seinem Festivalprogramm und der Gasteig, wo die Münchner Bücherschau beheimatet ist. Dazu kommen Spielstätten wie der Marstall, die Kammerspiele, die Muffathalle, die Import Export Kantine oder der Milla Club, die Albert Ostermaier für sein forum:autoren-Programm front:text gewählt hat.

Das kleinste, heimliche Zentrum aber ist leuchtend orange, etwa zwei Meter lang und steht im ersten Stock des Gasteigs: Auf dem Bayern 2-Diwan spricht Montag bis Freitag je ein Literaturfest-Gast über sein Buch. „Der Diwan auf dem Literaturfest ist, glaube ich, zweierlei“, sagt Moderator Knut Cordsen: „Einerseits eine Art von Ruhepol, Ruheinsel, und andererseits ein Aufmerksamkeitsgenerator.“ Cordsen und seine Kolleg_innen Niels Beintker, Martina Boette-Sonner, Judith Heitkamp, Maria Klaner und Cornelia Zetzsche möchten in 30-Minuten-Gesprächen Orientierung geben – innerhalb der Flut von Neuerscheinungen, aber auch im Programm des Literaturfests: „Aus den Autorinnen und Autoren, die an dem betreffenden Tag in München lesen, wählen wir die unserer Meinung nach interessantesten Gesprächspartner aus.“

So ist der Diwan auf dem Literaturfest auch eine Art Auskopplung aus der gleichnamigen Radiosendung: Seit 2004 informiert das Büchermagazin Diwan samstags um 14.05 und 22.05 Uhr auf Bayern 2 und als Podcast über faszinierende Neuerscheinungen, brisante politische Bücher, Aktuelles aus der Literaturszene und Verlagslandschaft. Fester Programmpunkt ist das Rätsel-Taxi mit Solomon Buk, in dem es Romanfiguren oder Schriftsteller_innen zu erraten gilt. Bis zu 400 Einsendungen erreichen die Redaktion wöchentlich.

DiwanGäste der Diwan-Radiosendung sitzen indes gar nicht darauf: Das Möbel ist für Literaturfestgäste reserviert! Die Moderator_innen wiederum „liegen und lesen daheim auf ihren eigenen Chaiselongues, Sophas (Martin Mosebachsche Schreibweise), Couches, Pritschen, Sesseln und so weiter“, verrät Knut Cordsen. Er selbst liest am liebsten aufrecht sitzend am Küchentisch. „Mit dem notwendigen kritischem Besteck.“ Damit hält er es fast wie Marcel Reich-Ranicki, demzufolge man sich zum Lesen immer an den Tisch setzen sollte – in Anzug und Krawatte.

Das knallorange Sitzmöbel wurde übrigens eigens für die Bücherschau angefertigt. Übers Jahr wartet es mit einer Schutzhülle versehen im Büro des Bayern 2-Marketing auf seinen Einsatz – in erster Linie im Gasteig oder auch beim DOK.Fest München. Das Büchermagazin selbst geht viermal im Jahr auf Reisen und sendet live von der Frankfurter und der Leipziger Buchmesse, vom Erlanger Poetenfest sowie vom Literaturfest München. Gastgeberin des Live-Diwans von der Bücherschau istCornelia Zetzsche, eingeladen hat sie diesmal Alaa al-Aswani, Najem Wali, Bas Böttcher undDalibor Markovićebenfalls mit dabei ist Solomon Buk in seinem Taxi.

Wochentags nehmen unter anderem Salman Rushdie, Judith Holofernes, Feridun Zaimoglu, Navid Kermani, Paul Maar und Jenny Erpenbeck Platz. All diese Autorinnen und Autoren sind auch auf dem Literaturfest zu erleben. Der Diwan ist daher wie eine zusätzliche Chance: Ihr benötigt keine Eintrittskarte und könnt spontan vorbeikommen, die Veranstaltungen sind kostenlos, also niemals ausverkauft!

(Tina Rausch, Literaturfest Redaktion)

(Foto oben: Knut Cordsen und Wolfgang Büscher auf dem Diwan. ©BR)

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