Nur nicht langweilen!

11. November 2014 | By | Add a Comment

Literatur für Kinder und Jugendliche sorgt nach der Belletristik für den größten Umsatz auf dem deutschen Buchmarkt. Klar, dass es hier neben qualitätsvollen Büchern auch einiges Überflüssiges gibt. Mit ihren sorgsam ausgewählten Lesungen, Events, Vorlese-, Mitmachaktionen und Ausstellungen für Kinder, Familien und Schulklassen bietet die Münchner Bücherschau einen wunderbaren Überblick über die relevanten Neuerscheinungen.

8268 Bücher für Kinder und Jugendliche sind im vergangenen Jahr hierzulande neu erschienen, vermeldete kürzlich die „Zeit“. Das entspricht einer Steigerung von über 65 Prozent in gerade mal zehn Jahren. So wünschenswert es ist, dass junge Menschen lesen, so schwierig ist es, sich auf dem gigantischen Markt zu orientieren.

Wie gut, dass es Roswitha Budeus-BuddeHilde Elisabeth Menzel und Ulrike Schultheis gibt: Seit 18 Jahren lotsen die Rezensentinnen mit Die 100 Besten – Lust machen aufs Lesen zuverlässig durch den Dschungel der Neuerscheinungen. Ihre Veranstaltung für Groß und Klein ist der Dauerbrenner auf der Münchner Bücherschau und mittlerweile zusätzlich als gekürzte Matinee-Version präsent.

Wie schaffen es die Damen selbst, den alljährlichen Bücherberg zu bewältigen? „Wir konzentrieren uns auf die Bücher der Verlage, die keine Selbstläufer sind und in der Flut der Neuerscheinungen eventuell untergehen“, sagt Roswitha Budeus-Budde. „Serien lassen wir beispielsweise aus.“ Als verantwortliche Redakteurin für die Kinder- und Jugendliteraturseite der „Süddeutschen Zeitung“ beschäftigt sich Budeus-Budde ebenso wie die Buchhändlerin Schultheis und die Rezensentin Menzel tagtäglich mit junger Literatur. Und während die drei die Sachbücher für die Sichtung untereinander aufteilen, ist Menzel fürs Kinderbuch, Schultheis fürs Bilderbuch und Budeus-Budde fürs Jugendbuch zuständig. „Trotzdem kennt jeder fast alles“, sagt Budeus-Budde, „und nicht immer sind wir einer Meinung.“

Auch darin liegt der Reiz ihrer lebendigen Präsentation: Wenn Budeus-Budde eine Sexszene vorliest, rollen ihre Kolleginnen schon mal mit den Augen, weil Kinder im Publikum sitzen. „Ich bin da gegen jede Einschränkung“, sagt Budeus-Budde. „Man denkt immer, man müsse Kinder behüten. Zum Lebensumfeld von Heranwachsenden gehören nun mal Sex und Liebe – im Internet schauen sie sich eh alles an.“

Ihr wichtigstes Anliegen ist es, Kinder- und Jugendliteratur aus der pädagogischen Ecke herauszuholen und – wie der Titel schon sagt – Lust aufs Lesen zu machen. „Wir suchen Anspruchsvolles und Komisches,“ erklärt Budeus-Budde, „eine Mischung aus Literatur und guten Gebrauchsbüchern.“ Gerade für Jüngere sei es wichtig, dass die Geschichte in ihrem Umfeld spielt und einen Spannungsbogen hält. Nur nicht langweilen!, lautet die Devise.

Als Trend des Jahres 2014 haben Budeus-Budde und ihre Kolleginnen Krimis ausgemacht, „die schwappen ein bisschen aus der Erwachsenenliteratur über“. Die zuletzt überpräsente Fantasy geht langsam zurück, politische Themen haben deutlich zugenommen.

Die größte Herausforderung ist es, sich irgendwann zu entscheiden: Zum Schluss haben die drei etwa 500 bis 600 Titel, die infrage kommen. Da hilft es auch nicht sonderlich, dass sie bei den „100 Besten“ seit einigen Jahren in Wahrheit 150 Kinder- und Jugendbücher vorstellen … „Und es ist für uns sehr mühsam“, sagt Budeus-Budde, „dass es dabei bleibt!“

Ihre Veranstaltungen sind erfahrungsgemäß schnell ausverkauft. Die dazugehörige Ausstellung ist hingegen während der gesamten Münchner Bücherschau im zweiten Stock des Gasteig zu sehen – und die Empfehlungsliste gibt’s einen Stock tiefer für 3 Euro zum Mitnehmen. Danach gehen „Die 100 Besten“ übrigens auf Reisen, mehr Infos dazu findet Ihr hier.

(Tina Rausch, Literaturfest Redaktion)

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Foto: © Kerstin Dahnert

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